Nachrichten

23. März 2017

Studie von IRENA & IEA, Offshore-Ausbau, Senvion, Bayern, Mieterstrom, Finanzierung der Energiewende


Turbo für die Energiewende: Einen solchen fordern die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) und die auf fossile Energien fokussierte Internationale Energieagentur (IEA). In zwei Szenarien veranschaulichen die beiden, wie die Klimaziele zu erreichen sind. Es herrscht viel Einigkeit, doch während die IEA in ihrem Szenario auch auf Atomstrom und die umstrittene CCS-Technologie zur Speicherung von Kohlendioxid setzt, liegt dem IRENA-Szenario der konsequente Umstieg auf Erneuerbare zugrunde. Die Studie zeigt, dass weltweit bis 2050 rund 27 Billionen Euro an Investitionen für den Umbau des Energiesektors getätigt werden müssten, um die Klimaziele zu erreichen. Die Weltwirtschaft würde aber auch um 17,6 Billionen Euro wachsen.
faz.net, energiezukunft.eu, businessinsider.de, energiewende2017.com (gemeinsame Studie)

abb-offshore-copyrightDer Offshore-Ausbau in Deutschland läuft zu zaghaft, kritisiert Martin Neubert, Deutschland-Chef von Dong Energy. Diskutiert wird ein Ausbau von 700 bis 800 MW pro Jahr, dabei könne die Industrie weit mehr als 2.000 MW jährlich leisten. Die Unternehmensberatung PwC kommt zu demselben Schluss: Drastische Kostensenkungen durch die Installation immer größerer Windkraftanlagen würden die Preise für Offshore-Strom purzeln lassen.
wiwo.de (Dong), kn-online.de (PwC)

Senvion liefert Turbinen nach Irland: Während sich in Deutschland Proteste gegen die Schließung der Senvion-Standorte in Brandenburg und Husum (wir berichteten) regen, läuft es international besser für den Hersteller. Senvion hat seinen ersten Auftrag aus Irland erhalten und wird fünf Turbinen mit einer Gesamtleistung von 10,25 MW für den Windpark Teevurcher liefern – Langzeitwartungsvertrag inklusive. Langfristig will Senvion auf weiteren Märkten wie Indien oder Chile Fuß fassen.
handelsblatt.com, iwr.de, shz.de (Protest in Husum)

Gegenwind in Bayern: Zwischen Unter- und Oberfranken regt sich zunehmend Widerstand gegen die Windenergie – der Ausbau gerät ins Stocken. Das 2015 ausgegebene Ziel, bis 2025 einen Anteil von fünf bis sechs Prozent an der Bruttostromerzeugung dem Wind abzutrotzen, sei aber trotzdem realistisch, heißt es aus dem bayrischen Wirtschaftsministerium. Der BWE-Landesvorsitzende Raimund Kamm hingegen befürchtet, „dass in Bayern der Windkraftzubau jetzt zusammenbricht“.
welt.de

Mieterstrom auf dem Vormarsch: In Konstanz (Baden-Württemberg) setzen die Stadtwerke zunehmend auf Mieterstrom. Dort wird seit dem vergangenen Jahr ein Mehrfamilienhaus der städtischen Wohnbaugesellschaft von einer Anlage versorgt, die ein Blockheizkraftwerk mit einer PV-Anlage koppelt. Elektronische Zähler informieren viertelstündlich über die aktuelle Strompdruktion und den -verbrauch. So können die Mieter ihr Stromnutzungsverhalten aktiv anpassen. Mehr als 60 Prozent des Gebäude-Strombedarfs werden so laut Jahresauswertung bereits gedeckt.
zfk.de

Finanzierung der Energiewende: Private Verbraucher in Deutschland zahlen die zweithöchsten Energiepreise Europas. Damit muss Schluss sein, fordern Ökonomen und plädieren für eine Neugestaltung der Finanzierung. Diskutiert werden eine Finanzierung von Ökostromprojekten durch Steuergelder, Abgaben auf fossile Energieträger oder die Auslagerung der Kosten an staatliche Fonds.
welt.de


Zahl der Woche

38.000 MW Strom


Ganze 38.000 MW Strom haben die Windenergieanlagen in Deutschland am 18. März 2017 in der Stunde zwischen 9 und 10 Uhr ins Netz gespeist. Damit wurde der Leistungsrekord aus dem Februar (37.500 MW) eingestellt. Ein Sturm hat den neuen Wind-Rekord möglich gemacht. Wenn man diese Lastspitze doch nur hätte speichern können…
offshore-windindustrie.de


Technologie

Silizium-Solarzellen, Windkraft-Großanlagen, Pumpspeicherkraftwerk, Demo4Grid, künstliche Super-Sonne, BladeMaker, Hybrid-Großspeicher, Solarstrom von nebenan


Rekord-Wirkungsgrad bei Silizium-Solarzellen: Japanischen Forschern von der Kaneka Corporation in Osaka ist es gelungen, den Wirkungsrad von Silizium-Solarzellen auf 26,3 Prozent zu steigern. Das Team um Kunta Yoshikawa nähert sich mit großen Schritten der theoretischen Grenze für die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom, die bei 29 Prozent liegt.
nature.com, spiegel.de

Testfeld für Windkraft-Großanlagen: Die dänische Regierung will die Windenergie-Testeinrichtungen in Österild und Hovsore im Nordwesten Dänemarks weiter ausbauen, sodass dort künftig auch Prototypen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern (Hovsore) bis hin zu mehr als 300 Metern (Österild) getestet werden können. Das letztere Testfeld könnte somit auch für 10-MW-Großanlagen interessant werden.
iwr.de

Kombination aus Batteriespeicher und Pumpspeicherkraftwerk: Engie Deutschland kombiniert sein Pumpspeicherkraftwerk im oberpfälzischen Pfreimd mit einem Batteriespeicher. Der dezentrale Lithium-Ionen-Batteriespeicher vom Typ Siestorage mit 12,5 MW Leistung und mehr als 13 MWh Speicherkapazität, den Siemens bis Ende 2017 liefert, soll das das Pumpspeicherkraftwerk flexibler machen.
ee-news.ch, lokalkompass.de

EU-Projekt „Demo4Grid“ gestartet: Im Rahmen dieses Projektes wird in den nächsten fünf Jahren am Areal der MPREIS-Großbäckerei Völs/Tirol (Österreich) eine 4-MW-Alkali-Druckelektrolyseanlage errichtet, die künftig bis zu 1,8 Tonnen Wasserstoff pro Tag erzeugen soll. Dieser soll zum einen als grüner Brennstoff für eine Großbäckerei und zum anderen als grüner Treibstoff für den Verkehr verwertet werden.
ots.at

Künstliche Super-Sonne: In Jülich bei Aachen (NRW) haben Wissenschaftler des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) den Sonnensimulator „Synlight“ in Betrieb genommen. Die Lichtintensität der strombetriebenen Super-Sonne ist so groß, als würden 10.000 Sonnen leuchten. Mithilfe des Hochleistungsstrahlers wollen die Forscher Produktionsverfahren für Kraftstoffe aus Sonnenlicht entwickeln, konkret geht es um die Abspaltung von Wasserstoff.
handelsblatt.com, zeit.de, derwesten.de

BladeMaker-Fraunhofer-IWESVerbundprojekt BladeMaker: Nachdem im letzten Frühjahr das Fertigungsportal in Betrieb genommen wurde, ist der nächste Meilenstein erreicht – der Beginn der Integration der Prozessschritte. Dies bildet die Grundlage für einen prototypischen Gesamtablauf, der bis Jahresende stehen soll – mit einem Automatisierungsgrad von ca. 60 Prozent. Blatthersteller sowie Zulieferer von Materialien für den Rotorblattbau und der Maschinenbauindustrie sind eingeladen, sich im Demonstrationszentrum in Bremerhaven über Möglichkeiten zur Kosteneinsparung im Fertigungsablauf von Rotorblättern zu informieren.
ee-news.ch, windmesse.de

Hybrid-Großspeicher für Niedersachsen: In Varel entsteht ein hybrider Batteriespeicher, der die Vorteile einer Lithium-Ionen-Batterie und eines Natrium-Schwefel-Speichers miteinander vereint. Damit entsteht in einer Kooperation zwischen japanischen Unternehmen und dem norddeutschen Energieversorger EWE eine der größten Batterien Norddeutschlands. Die Kosten für das Projekt in Höhe von 24 Mio. Euro übernimmt Japan. Der Hybridspeicher soll dann im vierten Quartal 2018 in Betrieb genommen werden.
ew-magazin.de, stadt-und-werk.de, iwr.de

Solarstrom von nebenan: Das Unternehmen Wittmann Kies & Beton GmbH bezieht seit Mitte des Monats Solarstrom direkt vom Solarpark Neuburg Donau. Um den Strom im Rahmen des gewerblichen Eigenverbrauchs zu nutzen, hat das Beton- und Kieswerk einen Teil des benachbarten Solarparks gepachtet und spart somit pro Jahr ca. 160 Tonnen CO2 ein.
erneuerbareenergien.de, pressebox.de


Zitat der Woche

Dolf Gielen, Prof. Dirk Uwe Sauer


Dolf-Gielen„Wir rechnen durch die Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit einem Wachstumsimpuls von 0,8 Prozent für die globale Wirtschaft.“

Dolf Gielen, Direktor des IRENA Innovations- und Technologiezentrum (IITC) in Bonn, betont, dass die globale Energiewende technisch machbar ist und auch ärmeren Ländern ökonomisch Vorteile bietet. Bis 2050 seien für den Umbau des weltweiten Energiesektors rund 29 Billionen Dollar nötig – also nur 0,4 Prozent der Wirtschaftsleistung der Welt. Auch die Jobverluste bei der Öl-, Kohle- und Gasindustrie würden durch Arbeitsplätze im Eneuerbaren-Sektor mehr als ausgeglichen. Die Energiewende ist also auch ökonomisch durchaus sinnvoll.
dw.com/de

Dirk-Uwe-Sauer„Batteriepreise werden nicht mehr in der bisherigen Geschwindigkeit sinken.“

Prof. Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen ist sich sicher, dass die Batteriepreisentwicklung nach unten nicht im selben, schnellen Tempo weitergehen wird wie bisher. Er erwartet keine Technologiesprünge, allerdings gäbe es durchaus Spielräume für Preissenkungen – wenn etwa die Energiedichte der Batterien erhöht würde.
euwid-energie.de


Service

Energiewende in Deutschland, was Verbraucher wollen, Brennstoffzellentechnik


Deutschland verzögert die Energiewende: Zu diesem Schluss kommt Christoph Heinrich in seinem Gastkommentar im „Tagesspiegel“. So gäbe es zwar hehre Ziele, an den entsprechenden Maßnahmen fehle es allerdings – zum Beispiel bei der Reduzierung des CO2-Austoßes. Und auch beim Netzausbau habe die Bundesrepublik die Handbremse angezogen, so Heinrich.
tagesspiegel.de

Studien-Tipp: Stromkunden wünschen sich von den Energieversorgern neue Produkte und Dienstleistungen. Dabei spielt der ökologische Aspekt eine wichtige Rolle. Diesen berücksichtigen eigenen Angaben zufolge acht von zehn Stromkunden bei der Wahl ihres Stromanbieters. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie „Die Zukunft der Energie: Was Verbraucher wirklich wollen“ der Unternehmensberatung AXXCON, für die 1.000 Verbraucher befragt wurden.
axxcon.com, zfk.de

Brennstoffzellentechnik – ja oder nein? Ist sich die Heizungsindustrie in Sachen Brennwerttechnik – solo oder auch in Kombination mit Sonnenenergie oder Biomasse-Heizungen – und Kraft-Wärme-Kopplung noch einig, scheiden sich an der Brennstoffzelle die Geister. So will Vaillant sich ganz zurückziehen und Bosch die Technik nicht weiterentwickeln. Einzig das Familienunternehmen Viessmann setzt weiterhin auf die Brennstoffzelle.
faz.net


Kurzschluss

Energie aus Abwasser


Wasch- oder Toilettenwasser enthalten thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzen-Nährstoffe. Diese zu nutzen, haben sich Experten der „Wasser-Energie-Gruppe“ am Karlsruher Institut für Technologie auf die Fahnen geschrieben. Wir lernen: In Zukunft kann man guten Gewissens die Klospülung drücken.
idw-online.de